Jahresausblick: Kursprognosen helfen nicht

Veröffentlicht am 11.01.2017 um 14:05 Uhr

Jahresausblicke für 2017 haben derzeit Hochkonjunktur. Erfahrungsgemäß liegen die meisten im Nachhinein schief. Anleger setzen besser auf das persönliche Risikoprofil.

Investoren suchen nach Orientierung - da scheint nichts leichter, als einfach auf die Ziele der Experten für Aktienmärkte, Zinsen und Gold zu schauen, und das Vermögen entsprechend zu verteilen. Doch die Verlässlichkeit dieser Kursziele ist gering. Das Gros der Analysten liegt erfahrungsgemäß im Nachhinein schief. Sie sind keine guten Ratgeber.

Verschiedene wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss, dass Prognosen an den Kapitalmärkten nicht möglich sind. Selbst an den Finanzmärkten herrscht überwiegend die Meinung, dass die Masse der Anleger (Konsens) nicht richtig mit den Erwartungen liegt (Konsens ist Nonsens). Dies liegt auch darin begründet, dass Investoren - insbesondere große institutionelle - mit ihren Erwartungen durch entsprechende Handlungen die Märkt beeinflussen.

Risikoprofil wichtiger als Kursziele

Statt auf die Prognosen der vermeintlichen Finanzmarktexperten zu setzen, sollten sich Anleger ihr Portfolio so strukturieren, dass es zu ihrem persönlichen Risikoprofil passt. Dabei gilt es auch, die aktuelle Attraktivität der Anlageklassen sowie deren Chancen und Risiken zu bewerten, da diese nicht immer konstant sind. Hierbei können durchaus auch Argumente einbezogen werden, die in diversen Jahresausblicken genannt werden. Bei Aktien erscheint aktuell die Risikoaversion der Anleger zu gering. Der VDax New, der die an den Terminmärkten erwarteten Schwankungen anzeigt, notiert Anfang 2017 bei 18 Punkten und damit am unteren Ende der Bandbreite der zurückliegenden drei Jahre. Das bedeutet nichts anderes, als dass sich die Anleger in Deutschland kaum Sorgen machen. Der amerikanische Volatilitätsindikator VIX bewegt sich ebenfalls auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau. Damit sind die Aktienmärkte mittelfristig sehr korrekturanfällig. Denn wenn die Schwankungen wieder zunehmen, ist mit fallenden Aktienkursen zu rechnen.

Gold bleibt interessant

Auch bei Zinsanlagen erscheint derzeit ein Blick über den Tellerrand sinnvoll. Denn in der Eurozone sind die Renditen für sichere Anlagen wie deutsche Bundesanleihen durch die Markteingriffe der der Europäischen Zentralbank EZB weiter unattraktiv – auch wenn die Zinsen zuletzt zumindest ein wenig gestiegen sind. Eine weitere Normalisierung der Inflation in den kommenden Monaten kann bei Anleihen schnell Kursverluste auslösen, die die Mini-Renditen übersteigen. Schon allein aufgrund des Basiseffekts beim Öl ist im Januar und Februar mit einer höheren Teuerungsrate zu rechnen. Dadurch könnten auch die Zinsen wieder anziehen.

US-Dollar-Anlagen sind da schon deutlich attraktiver. Hier können Anleger zum Beispiel bei Unternehmensanleihen mit langer Laufzeit und gutem Rating Renditen von jährlich mehr als drei Prozent erzielen. Allerdings tragen sie zusätzlich ein Wechselkursrisiko. Aber gerade aufgrund der langfristig unklaren Situation in der Eurozone erscheint die Beimischung von Fremdwährungen strategisch sinnvoll.

Risikofreudigere Anleger sollten sich aufgrund der höheren Renditen auch nach Anleihen mit schwacher Bonität (High Yield) umschauen – am besten international. Zwar kauft die EZB diese Papiere nicht und sorgt so auch nicht für steigende Kurse. In Währungsräumen außerhalb der Eurozone ist aber das Zinsniveau höher. Anleger, denen die Titelauswahl dabei zu aufwendig ist, können diese Themen einfach durch gut diversifizierte Fonds abdecken.

Unter den Währungen ist außerdem Gold interessant. In einer Welt, in der die Notenbanken an ihren gewaltigen geldpolitischen Experimenten festhalten, bietet das Edelmetall den ultimativen Risikoschutz. Gerade nach dem jüngsten Kursrückgang hat die Attraktivität von Gold wieder zugenommen.

Schließlich ist es gerade in diesen renditearmen Zeiten sinnvoll, auch Liquidität zu halten und diszipliniert auf gute Gelegenheiten an den Kapitalmärkten zu warten. Denn eins lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostizieren: Volatiler wird es bestimmt wieder. Und in volatilen Zeiten antizyklisch zu investieren, ist erfolgsversprechender als auf konkrete Prognosen zu setzen. 

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