Sell in May and go away - was ist dran?

Veröffentlicht am 08.04.2016 um 16:39 Uhr
Ilin Sergey/shutterstock.com

Jedes Jahr im Frühjahr rückt eine alte Börsenweisheit in den Fokus: „Sell in May and go away“. Sie wird häufig ergänzt durch den Zusatz: „But remember to come back in September“.  Doch was ist dran an der Empfehlung, sich im Mai von Aktienbeständen zu trennen und den Sommer über den Märkten fern zu bleiben?

Wir sind der Frage nachgegangen, ob es sich um einen nutzlosen Reim handelt oder diese Börsenweisheit tatsächlich einen Mehrwert für den Anleger hat. Der Blick auf die vergangenen fünf Jahre zeigt, dass die Strategie, sich Anfang Mai von Aktien zu trennen und zu Septemberbeginn wieder in den Aktienmarkt einzusteigen, in drei von fünf Fällen Verluste vermieden hätte. Das ist zwar positiv, kann aber auch Zufall sein und sagt nichts darüber aus, ob die Börsenweisheit tatsächlich erfolgsversprechend ist. 

Dax Verlauf der letzten 5 Jahre (Stand: 01.04.2016)

Deshalb ist eine langfristige Betrachtung, die die Wertentwicklung einbezieht, notwendig. Im folgenden Chart ist der Verlauf des DAX seit 1980 dargestellt (schwarz). Die grüne Linie zeigt die Entwicklung des DAX in den Wintermonaten von Mitte November bis Mitte April, während die orangenfarbene Linie den DAX-Verlauf von Mitte April bis Mitte November abbildet (jeweils 1980 = 100). 

Die Abbildung zeigt in beeindruckender Weise die Gültigkeit der Börsenweisheit. Ab der zweiten Aprilhälfte war in den folgenden sieben Monaten im durchschnitt am Deutschen Aktienmarkt keine positive Entwicklung zu verzeichnen, wohingegen der Großteil der langfristigen Wertentwicklung im Zeitraum von Mitte November bis Mitte April erzielt wurde. Leider sagt diese Betrachtung aber nichts darüber aus, ob das auch für den kommenden Mai gilt. Doch die Wahrscheinlichkeit für eine positive Entwicklung ist mit Blick auf die Vergangenheit gering. Wie kann der Anleger das also für sich nutzen? Am sinnvollsten scheint es, vor den Sommermonaten Aktienpositionen zu reduzieren und diese in einer Schwächephase während der Sommermonate bis November wieder aufzubauen. Dieses Vorgehen sollte dann im folgenden Jahr wiederholt werden. Auf diese Weise kann ein Anleger langfristig vom saisonalen Muster am Aktienmarkt profitieren.

Doch was steckt hinter diesem saisonalen Muster? Experten tun sich schwer mit Erklärungen. Häufig wird argumentiert, dass viele Marktteilnehmer in den Sommermonaten im Urlaub sind. Doch angesichts der seit langer Zeit bestehenden Professionalität an den Kapitalmärkten erscheint die Erklärung etwas dünn. Als weiterer Grund wird das frische Geld, das zu Jahresbeginn z.B. von Versicherungen und Pensionskassen an den Märkten angelegt wird, herangezogen. Dies könnte zumindest die positive Entwicklung der Aktienmärkte in den ersten Wochen eines neuen Jahres erklären. Im Frühjahr legen die börsennotierten Unternehmen zudem ihre Geschäftsberichte vor, halten Hauptversammlungen ab und schütten Dividenden aus. Die damit verbundenen Nachrichten und die erwarteten Dividenden könnten Anleger dazu animieren, im Frühjahr Aktieninvestments zu tätigen. Diese Nachfrage wird dann zum Sommer hin weniger. Wissenschaftlich belegt ist kein Argument. Setzt der Anleger also auf die Börsenweisheit „sell in May and go away“, weiß er zumindest, dass die Wahrscheinlichkeit für einen langfristigen Erfolg statistisch gesehen auf seiner Seite ist. Er muss aber auch damit leben, dass es keine fundierte Begründung dafür gibt.

 

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