Zinsen - Worauf wartet die EZB?

Veröffentlicht am 31.07.2017 um 11:02 Uhr

Am 20. Juli tagte die Europäische Zentralbank (EZB) turnusmäßig, um über die weitere Zinspolitik zu entscheiden. Erwartet wurde von vielen Experten zumindest ein Zeichen, dass ein schrittweiser Ausstieg aus der derzeitig ultralockeren Geldpolitik bevorsteht, insbesondere in Form einer Reduzierung der monatlichen milliardenschweren Anleihenkaufprogramme. Doch dieses Signal kam trotz bester Argumente nicht. Was treibt die Notenbank also um, und was können Sparer erwarten?

Die Umstände, mit denen die EZB ihre Politik der Null- und Negativzinsen sowie die mittlerweile insgesamt billionenschweren Anleihekäufe mit immer neu geschaffenen Zentralbankgeld gerechtfertigt hat, existieren nicht mehr.

Die Inflation ist zwar noch immer unterdurchschnittlich, hat sich aber mit 1,3% in der Eurozone zuletzt weitestgehend  normalisiert. Ursprünglich hatte die EZB ihre Maßnahmen mit dem Risiko einer dauerhaften Deflation gerechtfertigt. Auch die Konjunktur läuft in der Eurozone mittlerweile solide, und in einigen Ländern, insbesondere Deutschland, droht sogar eine Überhitzung. Der Ifo-Konjunktur-Index erreichte jüngst einen bisher nie gemessenen Rekordstand – die Unternehmen sind außergewöhnlich optimistisch. Eine Umfrage (Einkaufsmanagerindex) hatte zuletzt ergeben, dass die Stimmung in der Eurozone bei den Unternehmen so gut wie zuletzt vor 5 Jahren ist. So hat auch jüngst die EU-Kommission ihre Wachstumsprogose für das laufende Jahr auf 1,7% angehoben.

Somit erscheint die Politik der EZB zunehmend nicht an Konjunktur und Inflation orientiert, wie es eigentlich ihr Auftrag ist, sondern als Rücksicht auf einzelne Länder, die ihre Probleme nicht angehen und Einnahmen und Ausgaben nicht in Einklang bringen. Dieser Eindruck wird durch die Zusammensetzung der Entscheidungsgremien der EZB untermauert. EZB-Präsident Mario Draghi kommt als ehemaliger italienischer Notenbanker aus einem Land, das ohne die derzeitige Geldpolitik zahlungsunfähig wäre. Der Vizepräsident Vitor Constancio aus Portugal, das noch vor wenigen Jahren pleite war und sich unter den Rettungsschirm begeben musste. Auch die Stimmgewichte im EZB-Rat richten sich nicht nach wirtschaftlicher Bedeutung, sondern sehen unabhängig von der Bevölkerungsanzahl für alle Länder das gleiche Stimmengewicht vor. So hat Malta im EZB-Rat das gleiche Stimmengewicht wie Deutschland.

Durch die unveränderte Politik der EZB nehmen nicht nur auf Ebene der Staaten die negativen Nebenwirkungen zu. Die geringe Anpassungsbereitschaft vieler Länder dürfte das Wirtschaftswachstum nahhaltig belasten und damit auch einem Abbau von Arbeitslosigkeit in der Eurozone entgegenwirken. Auch extrem steigende Immobilienpreise, so dass für viele Menschen Immobilienerwerb unerschwinglich wird, sowie eine übermäßige Verschuldung von Unternehmen, weil die Zinsen verlockend niedrig sind – ein hoher Preis der derzeitigen Zinspolitik. Denn solche Übertreibungen waren bereits Auslöser vergangener Finanzkrisen. Mit diesen Nebenwirkungen macht sich die EZB einen Ausstieg aus der derzeitigen Zinspolitik zunehmend immer schwerer, denn die Abhängigkeit der Staaten aber auch privater Kreditnehmer von ihrer Zinspolitik wird immer größer.  

Auf eine Erholung der Konjunktur und Normalisierung der Inflation wartet die EZB wohl nicht. Obwohl dies eigentlich die Orientierung für die Notenbank sein sollte, scheinen andere Motive stärker zu wiegen. Die offiziellen Aussagen des EZB-Präsidenten, dass die Maßnahmen unverändert notwendig seien, wirken dadurch wie Realitätsverweigerung. Und der Sparer bezahlt es – er bekommt keine Zinsen mehr. Seit 2010 summieren sich entgangene Zinsen deutscher Sparer wegen der Niedrigzinspolitik bereits auf ca. 436 Mrd. Euro (DZ Bank).

 

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